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Brief an die Gruselclowns

[…] es freue sich,
Wer da atmet im rosichten Licht!
Da unten aber ist’s fürchterlich,
Und der Mensch versuche die Götter nicht,
Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.
(Schiller „Der Taucher“)

Liebe Gruselclowns,

es ist schon sehr traurig, dass ihr in eurem jungen Leben schon so viel Freude verloren habt, dass nur noch eine Zombiemaske übrig geblieben ist. Und daß ihr eure Wut einsam und in einer Maske zerfallender Fröhlichkeit derartig destruktiv und aggressiv rauslassen müsst. Auch wenn ihr es selbst nicht erkennt, der Zweck eurer Tat ist es, daß eure Mitwelt am eigenen Leibe spüren soll, wie euer Urvertrauen schon erschüttert ist. Dabei ist euch auch das Mittel recht, die ehrenwerte Kulturfigur des Clowns in euer marodes Tun hineinzuziehen. Das ist sehr schade. Denkt daran: kaputt machen ist sehr einfach, schaffen dagegen eine Leistung. Ich würde mich freuen, wenn ihr in konstruktiver Weise eurem Unbehagen Luft machen würdet, vielleicht auch als echte Clowns: „Jeder Mensch ist ein Clown, aber nur wenige haben den Mut, es zu zeigen“ (Charlie Rivel, weltberühmter Clown).